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Ästhetischer Fünfkampf": 10 Tänze und Triathlon.
So, das war er also, mein erster richtiger Triathlon. "Nur" Sprintdistanz, wie die nette junge Dame bei der Anmeldung so aufbauend bemerkte. Acht Wochen intensive Vorbereitung, eine Triathlon-Staffel in Bruckköbel und den Datterich in Darmstadt als Testlauf haben gereicht, um etwas Unvergessliches zu erleben, was mir vor vier Jahren niemand, geschweige denn ich selbst, zugetraut hat.

Da fragt man sich doch: Wie konnte es überhaupt soweit kommen? Ich versuche das mal zu rekapitulieren:

Metamorphose zum Marathoni

Im Jahr 2002 stieg die Standardformation des Tanz-Clubs Rot Weiss Casino Mainz in die erste Bundesliga auf. Als Trainer des Teams wusste ich schon, das einige im Team, Jens, Stevee, und Schotti sich mit Ausdauersport beschäftigen. Auch der Freund von Andrea, einer meiner Tänzerinnen, startete in diesem Jahr in Mainz beim Gutenbergmarathon auf der Halbdistanz und ich bemerkte etwas großspurig: "Wer eine Deutsche Meisterschaft der Formationen schafft, der kann auch mal zwei Stunden durch Mainz rennen." Nun muss man sagen, das Formationstanzen in der ersten Bundesliga eine auch sportliche Herausforderung ist, und die Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft den Paaren schon mal 16 Wochenstunden Training abverlangt. Soweit her geholt war diese Flunkerei demnach nicht. Die Bundesligasaison 2003 verlief außerordentlich erfolgreich und da ich selber mitgetanzt habe, war ich auch entsprechen fit. Warum also noch laufen trainieren? Aber hier wurde mir ein Floh ins Ohr gesetzt.

Einige Zeit später lief im SWR die erste Aktion "von 0 auf 42", in der unter der fachkundigen Anleitung von Thomas Wessinghage sieben ganz normale Bürger auf die Teilnahme beim New York Marathon vorbereitet wurden. Gesehen habe ich die Dokumentation im Fernsehen, als die Teilnehmer in Mainz den Halbmarathon als Zwischentest absolviert haben. Ich war fasziniert. Das sollte ich doch auch schaffen können. Und hier wurde der Floh zur ausgewachsenen Hummel. Ich fasste die Entscheidung ein Jahr zu trainieren und dann in meiner Heimatstadt Mainz den Gutenbergmarathon zu laufen.

Der SWR setzte die Aktion "von 0 auf 42" in größerem Maßstab fort, stellte ein Forum, Trainingspläne, Ernährungstipps im "virtuellen Lauftreff" zur Verfügung. Alles was das angehende Läuferherz begehrt. Ein paar Laufschuhe gekauft, die alte Turnhose raus, T-Shirt an und los gelaufen. Nach 2 Kilometern war ich platt wie eine Flunder und hatte noch den Rückweg vor mir. Nach vier Kilometern war ich am Ende meiner Kräfte und hatte mir in den alten Turnbuxen einen ordentlichen Wolf gelaufen. Das Unterfangen schien doch etwas schwieriger zu werden. Nun, mit regelmäßigem Training konnte ich einen gewissen Erfolg verbuchen. Ein paar Läufe zur Vorbereitung standen an. Zehn Kilometer beim Weinheimer Herbstlauf, wo ich auch weitere Tänzer kennen lernte: Das Ehepaar Ritter vom Tanzzentrum Ritter in Leonberg, welches an diesem Tag in einer Laufgruppe um Dieter Baumann am Start war. Ein Halbmarathon in Offenbach am Mainufer, den ich in zwei Stunden absolvierte. Dreißig Kilometer beim Freiburgmarathon, diese Distanz wurde extra für die Teilnehmer der SWR-Aktion angeboten. Mittlerweile war ich stolzer Besitzer einer richtigen Laufhose, eines Funktionsshirts und eines Trinkgürtels. Zwei Mitglieder meiner Formation, einer davon auch schon Triathlet (Stevee) und ein passionierter Läufer (Schotti) mit einer Marathonspitzenzeit von 3:30 waren auch gemeldet. Der Mainzer Marathon konnte kommen.

Und er kam. Der Mann mit dem Hammer kam bei Kilometer dreißig ebenso. Aber das Ziel kam auch, in einer Zeit knapp über fünf Stunden. "Nie wieder" waren meine ersten Worte, als ich wieder etwas herausbekam. Zwei Stunden später hatte sich meine Meinung schon wieder geändert. Auf jeden Fall war es eine einmalige Erfahrung, die ich nicht mehr hergeben möchte. „Wenn du laufen willst, dann Lauf’ eine Meile. Wenn du ein neues Leben kennen lernen willst, dann lauf’ einen Marathon,“ sagte einst der mehrfache Olympiasieger Emil Zatopek. Recht hat er.

Das Jahr darauf war die Vorbereitung nicht so ideal, aber für einen Halbmarathon reichte es auf jeden Fall. Diesmal waren noch weitere vier Mitglieder (Corinna, Sabine, Yvonne und Jens) der Formation am Start und am Schluss reichte für Sabine und mich die Kraft noch die letzten 20 Meter mit Wiener Walzer nach 2 Stunden und 40 Minuten durch Ziel zu tanzen. Ein sensationelles Finishervideo ist das Ergebniss.

Wieder ein Jahr später trafen sich nunmehr fünf Formationstänzer am Holztor in Mainz um den Halbmarathon zu bestreiten. Bei Kilometer 15 ließ ich den letzten meiner Tänzer (außer Schotti, unseren Spitzenläufer natürlich) hinter mir und kam in 2 Stunden 10 Minuten an. Weh getan hatte ich mir die letzten zwei Jahre nicht mehr, nach wie vor bin ich Tänzer und ich will ja keine Autogramme geben nach dem Laufen. Hauptsache fit bleiben.

Ein weiterer Schritt in der Evolution zum Triathleten

Zu diesem Zeitpunkt hatte jedoch schon mein Cotrainer Michael "beschlossen", das die Formation beim Datterich in Darmstadt teilnimmt. Zehn Sportler plus ein Ersatzathlet, jeder absolviert ein Zehntel der Ironman Distanz, die besten zehn kommen in die Wertung. Eine Riesengaudi. Das sollte doch machbar sein. Ich hatte meinem Nachbar ein altes Peugeot-Rennrad mit Zehngang-Schaltung abgekauft, ein bisschen Zeit und Geld bei ebay für Ersatzteile investiert und fertig. Die Vorbereitung zum Schwimmen gestaltete sich etwas schwieriger. Nach einer Bahn Kraul (fünfundzwanzig Meter) war ich dermaßen außer Atem, das ich mich an meine ersten Laufversuche drei Jahre zuvor erinnerte. Also, doch nicht so einfach. Bis zum Wettkampf schaffte ich dann fünfhundert Meter Brustschwimmen, das musste dann einfach reichen.

Drei meiner Tänzer hatten sich auch schon zum zweitenmal zur Quelle-Challange in Roth angemeldet, einer der Top-Veranstaltungen der Ironman-Serie. Sie traten als Staffel an, Yvonne 3800 Meter schwimmen, Stevee 180 Kilometer Rad fahren, Schotti 42 Kilometer laufen. Zur Vorbereitung sollte der Quaterman in Bruchköbel dienen, zwei Wochen vor dem Datterich, eine Staffel über ein Viertel der Ironmandistanz. Mit Sabine, Oliver und mir stellte die Standardformation eine zweite Staffel und ich konnte mich mit 10,5 Kilometer laufen auf meine "Paradedisziplin" konzentrieren. Tänzer beim Triathlon, das sorgte hier schon zum zweiten Mal für Furore.

Aber zurück zur Chronologie. Nach dem Halbmarathon in Mainz hatte ich abends noch Kraft in den Beinen und beschloss eine kleine Trainingsrunde auf dem Rad zu drehen. Auf der Hälfte der Strecke zwang mich Schotter in der Kurve zum "schnellen Abstieg" was mir, wie später diagnostiziert, einen Sehnenabriss an zwei Stellen des Schlüsselbeines (Tossy drei, für die Insider) und ein abgebrochenes Köpfchen des selben bescherte.

Mehrere Arzt- und zwei abgesagte Operationstermine später konnte ich zwei Wochen vor Bruchköbel dann doch noch die Teilnahme zusagen. Unsere Staffeln schlugen sich heldenhaft und ich schnupperte zum ersten Mal in die wundersame Welt des Triathlons. Eine Parallelexistenz, die in punkto Exzentrik, Körperkult und Empfindlichkeit der Tänzerwelt in nichts nachsteht. Nur anders halt.

Eine Woche später traf sich die Formation zum Datterich in Darmstadt in der TH auf der Lichtwiese. Von 8:00 bis 18:00 Uhr gingen hier alle 15 Minuten fünf Staffeln mit bis zu elf Mannschaftsmitglieder an den Start! Trotzdem war es dank der perfekten Organisation nie voll auf der Radstrecke oder beim Laufen. Von der Hausfrau mit dem Hollandrad und Drahtkörbchen bis zu ambitionierten Sportlern mit Rennmaschinen für dreitausend Euro war alles zu sehen. Insgesamt waren wir etwas mehr als eine Stunde unterwegs und die Nachanalyse der einzelnen Zeiten, wer hat wen wann überholt, hat mindestens noch mal zwei Tage in Anspruch genommen.

Wir hatten einen Riesenspaß, unser Mannschaftsführer Stevee, erfahren durch drei Triathlon-Saisons, hat das Team optimal vorbereitet. Der schon lange im Hinterkopf eingenistete Gedanke "Marathon war gestern, morgen ist Triathlon" schaffte sich ordentlich Gehör. Zu dritt beschlossen wir den Triathlon in Mainz zu melden und auf einmal lagen knapp acht Wochen Zeit zur Vorbereitung vor mir.

Zuerst legte ich Priorität auf das Schwimmen, denn mit der Kondition für 300 Meter war es mir zu heikel in den Rhein zu springen. 2000 Meter Kraul im Hallenbad waren nach sechs Wochen kein Problem mehr, damit war ich zufrieden. Zeit ist egal, Hauptsache nicht untergehen. Das Radfahren bereitete mir erst mal keine Sorgen, bis die alte Möhre langsam anfing den Geist aufzugeben. Ich hatte das Rad mit zum Tanzsporttrainerlehrgang in Bad Kissingen genommen, um in dieser Woche in den Fränkischen Hügeln ein bisschen am Berg fahren zu üben. Eine Probefahrt auf der mittlerweile bekannten Strecke drei Wochen vor dem Wettkampf brachte die Erkenntnis: Mit diesem Rad kommst du nicht weit. Die 18 Kilometer beim Datterich in der TH Darmstadt gingen noch, 29 Kilometer im Reinhessischen Hügelland sind was anderes. So habe ich mir zwei Wochen vor dem Tag X im Internet noch ein nagelneues Rennrad gekauft. Ein sensationelles Preis-Leistungsverhältnis durch konsequenten Vertrieb nur im Internet. Natürlich musste ich das Rad selber zusammenbauen, sogar die Speichen waren noch locker. Trotzdem blieb noch Zeit für einige hundert Trainingskilometer. Diese Aktion würde ich aber niemandem empfehlen, es geht nichts über einen freundlichen Stammfahrradhändler des Vertrauens, der Dein Rad kennt und auch mal schnell eine Sofortreparatur für Notfälle einschiebt. Die alte Möhre wollte mein Nachbar wieder zurückhaben, nachdem er sein altes Rad schon die ganze Zeit mit Wehmut betrachtet hat, wie ich es wieder renntauglich gemacht habe.

Laufen ist meine regelmäßige Mittagspausenbeschäftigung, hier habe ich einfach so weitergemacht wie bisher. Im Mainzer Hallenbad wurde ich Stammkunde.

Der Tag davor

Einen Tag vor dem Wettkampf war es schon möglich die Startunterlagen abzuholen. Ich war frühzeitig da und habe die umfangreichen Utensilien schnell bekommen: Bademütze mit Startgruppe, Startnummer, Startnummernaufkleber für Rad und Helm, drei verschieden Beutel für Lauf-, Schwimm- und "Afterrace"bekleidung, jede Menge Werbung für sündhaft teure Triathlon Ausrüstung, Werbeprobe eines ISO-Getränkes, etc. Ich nahm das Gepäck ohne eine Miene zu verziehen an mich, man will sich ja nicht gleich als Anfänger outen. Eine Stunde später war die Schlange an der Ausgabe schon signifikant gewachsen, in der ersten Wechselzone am Rhein wurden schon Dixi-Toiletten und Absperrungen abgeladen, das ZDF baute Kameras auf. Der Start der Sprinter und der Staffeln sollte vom Hubschrauber life im ZDF-Fernsehgarten gezeigt werden, da das ZDF eine eigene Staffel an den Start schickte:

Andrea Kiwel, Redakteurein des ZDF und ehemalige Leistungsschwimmerin
Joey Kelly, Mitglied der Kelly-Family und erfolgreicher Extremsportler
Arthur Abraham, Profiboxer

Die Staffel sollte den zweiten Platz in der Staffelwertung belegen.

Das Abendprogramm verlief nicht ganz so, wie man sich optimale Wettkampfvorbereitung vorstellt: Stevee und ich waren Gäste auf der Hochzeit von Andrea, genau diejenige, deren mittlerweile Exfreund mich damals zu dem unüberlegten Ausspruch mit den zwei Stunden durch Mainz laufen verführt hat. Statt Nudelparty gab es auserlesene Speisen, gute Weine und lecker Nachtisch und Bettruhe erst ab ein Uhr nachts.

Trotzdem war ich hellwach und ausgeruht am nächsten Tag mit einer Ausrüstung am Start, die für eine Himalaya-Expedition ausgereicht hätte.

Aufbau in der Wechselzone

Das Rad wird hier an der mit der Startnummer gekennzeichneten Stelle geparkt, alle notwendigen Utensilien griffbereit gelegt. Das Wechseln wird auch die vierte Disziplin genannt, hier kann viel Zeit gewonnen oder verloren werden. Die Radschuhe gepudert, um mit den nassen Füssen besser hinein zu kommen. Helm und Sonnenbrille griffbereit.

In meiner Nähe stellte Lothar Leder gerade sein Rad auf. Der Triathlonprofi, aus Darmstadt der als erster Deutscher den Ironman unter acht Stunden schaffte, ging auch in der Sprintdistanz an den Start. Ich erinnerte mich an meine erste GOC (German Open Championchips damals in Mannheim, eines der wichtigsten Tanzsportveranstaltungen der Welt), bei der Kim Rygel, der spätere Gewinner und Weltmeister, in der Vorrunde in meine Startgruppe war. Lothar Leder sollte später die Sprintdistanz auch gewinnen, Seine Frau, Gewinnerin des Franfurt Ironmans, wurde zweite bei den Damen.

Hier kann man das übliche "Wer hat den längsten"-Gehabe aller Sportler, egal ob Tänzer oder Triathleten, beim Begutachten der Rennmaschinen der anderen beobacht. Eine nicht unerhebliche Anzahl von Mountain- oder Trekkingrädern von Staffeln oder Breitensportlern wurden selbstverständlich ignoriert, diskutiert wurde nur bei Rädern jenseits der Kosten für einen guten italienischen Frack. "Stahlflaschenhalter am Karbonrahmen? Das sind doch gut 10 Gramm zuviel!" "Hast Du diese Laufräder gesehen?" "Was ist das denn für ein häßlicher Neo?"

Wie gesagt, ich fühlte mich wie bei der GOC.

Der Fährenstart

Eine Besonderheit des Mainzer Triathlon ist der Start von einer Autofähre. Die Sprinter versammelten sich in vier Startgruppen auf dem Schiff, nachdem die Starter der olympischen Distanz schon eine halbe Stunde vorher spektakulär von der Fähre gestartet waren. Da ich meine Schwäche beim Schwimmen kenne, blieb ich eher hinten, ich hatte auch keine Lust auf Rangeleien im Wasser. Ein letztes Mal konnte ich einen Blick auf Lothar Leder werfen, dann war er für den Rest des Tages weit weit vor mir. Als letzter Starter sprang ich mit einem perfekten Kopfsprung in die blaugrünen Fluten des Rheines. Um die Atmung zu beruhigen schwamm ich erst einmal dreihundert Meter Brust um dann zu Kraul zu wechseln. Dadurch konnte ich schon die ersten überholen. Schotti und Stevee stiegen etwa 45 Sekunden früher aus dem Wasser, die Strömungsgeschwindigkeit des Rheins hat mir hier stark geholfen. Die selbe Strömung machte den Ausstieg aber auch zu einer kritischen Angelegenheit, wer da vorbeischwimmt hat große Probleme wieder zurückzukommen. Nach acht Minuten war der Spaß schon vorbei.

Der erste Wechsel

Nahezu ideal verlief mein Wechsel zur Radstrecke. Badekappe und Schwimmbrille schon beim Spurt in die Wechselzone ausgezogen, am Rad in den bereitstehenden Beutel geworfen, in die gepuderten Radschuhe geschlüpft, Helm, Sonnenbrille und Startnummernband an und schon wieder aus der Wechselzone das Rad schiebend rausgespurtet. Zwar sind echte Triathleten verdammt schnell beim Ausziehen des Neoprenanzugs, aber abgesehen davon, das mir die Anschaffung erst mal zu teuer war, konnte man hier locker ohne schwimmen und ich hätte hier sicher Zeit verloren. Aufsteigen darf man erst außerhalb der Wechselzone an einer markierten Stelle.

Die Radstrecke

Als gebürtiger Mainzer, der seine ganze Schulzeit auf dem Rad verbracht, kannte ich die Strecke schon sehr gut. Leider ist auch meine Schulzeit schon etliche Jahre her und ein Probelauf auf der Wettkampfstrecke förderte erschreckende Defizite zu Tage. Gleich zu beginn lockte ein netter Anstieg nach Hechtsheim, dann die Laubenheimer Höhe (nomen est Omen). Ein steiler Anstieg in Gau-Bischofsheim, die Straße heißt auch "An der Steig", oder wie es im Tria-Forum stand: "Absteigen ist kein Schande". Doch das intensivierte Training machte sich heute bezahlt, die Steigungen nahm ich mit links und nach dem "Hammer-Anstieg" in Gau-Bischofsheim - natürlich bin ich auf dem Rad sitzend hoch - hat mich auch keiner mehr auf Dauer überholt. Mit 29 Kilometern war die Strecke länger als bei der Sprintdistanz üblich und wurde von vielen Teilnehmern als "anspruchsvoll aber abwechslungsreich" bezeichnet. Dem ist nichts hinzuzufügen. Die letzten Kilometer zum Lerchenberg war eine hohe Trittfrequenz angezeigt, um die Muskulatur zu lockern.

Der zweite Wechsel

Der Wechsel zu Laufstrecke fand auf dem Gelände des ZDF statt. Das Rad konnte man einem Helfer in die Hand drücken oder auf den Boden legen, wenn alle Helfer belegt waren. Es wurde dann ordentlich an einen Sammelständer gestellt, jedoch war das Auffinden nach dem Wettkampf nicht ganz einfach. Die tags vorher abgegebenen Laufbeutel hingen nach Startnummern sortiert griffbereit, zehn Meter weiter war die Umkleidezone. Helm ab, Mütze auf, Schuhe wechseln und Startnummernband nach vorne drehen. Die Fahrradutensilien wurden wieder von fleißigen Helfern in den Beutel gepackt und an den Haken gehängt. Wieder hatte ich einen für meine Verhältnisse schnellen Wechsel absolviert

Die Laufstrecke

Die Beine waren noch gut drauf und ich begann mit kleinen Schritten. Ein einziger Athlet zog noch an mir vorbei, als es aus dem ZDF-Gelände heraus ins Feld ging habe ich nur noch überholt. Die Hälfte der Strecke ging bis zur Wende bergab und es kamen mir einige äußerst abgekämpfte Sportler den Berge herauf entgegen. Hier traf ich auch Schotti (mit lockerem Schritt) und ein paar Minuten später Stevee (eher angestrengt) wieder. So groß war deren Vorsprung gar nicht, ich war doch nicht so schlecht auf dem Rad unterwegs gewesen. Nach der Wende horchte ich kurz in meinen Körper: Atmung läuft gut, Beine sind noch stark, keine Dehydrierungs- oder Unterzuckerungserscheinungen. Vor mir zwei Kilometer bergauf und jede Menge müder Athleten vor mir. Es wurde Zeit für ein bisschen Show. Der eine oder andere mag es für die Sprintdistanz lächerlich finden aber ein Powergel (kleine Beutelchen mit dickflüssiger Nahrung, sozusagen Müsliriegel in Babybreikonsistenz) vor dem Hammerberg beim Rad fahren und eins am Beginn der Laufstrecke haben bei mir zumindest psychologisch gewirkt. Ich baute mich aufrecht auf und begann zu lächeln (Lateintänzer halt), steigerte das Tempo signifikant, und flog den Berg hinauf. In einer Kurve etwa 750 Meter vor dem Ziel sah ich Stevees gelben Tria-Einteiler und beschloss zu versuchen an ihn ranzukommen. Auf der Zielgeraden war er in greifbarer Nähe. Ein Spurt, zwischen Stevee und einem anderen Athleten durch die Mitte und eine Sekunde vor Stevee schlug ich auf den Zeitnehmer. OK, er war wegen Examensprüfungen untrainiert und normalerweise habe ich keine Chance. Aber ein kleiner Motivationsschub war es schon.

Fazit

Ich habe signifikant abgenommen und bin in der Form meines Lebens. Den Wettkampf gut gelaunt und ohne Schmerzen zu "finishen" (So nennen wir Ausdauersportler das erfolgreiche Absolvieren) nach der Quälerei in Training und am Berg hat eine Menge Endorphine freigesetzt.

Mit Latein kann man sich high tanzen
Standard kann süchtig machen
Triathlon kann beides.

Ich bleibe auf jeden Fall im Training, die Formation wird wieder beim Datterich in Darmstadt und in beim Quaterman in Bruckköbel (ich werde dann die ganze Distanz allein absolvieren) an den Start gehen. Mainz-Marathon und -Triathlon stehen schon in meinem Kalender. Das nächste große Ziel ist die Olympische Distanz :1500 Meter schwimmen, 40 Kilometer Rad fahren und 10 Kilometer laufen.

Schotti trainiert für den Ironman in Roth, den er diesmal alleine absolvieren will. Und Stevee wird sich nicht mehr von mir schlagen lassen wollen.

Niemals wird es nennenswerte Zeiten oder Ergebnisse für mich geben, wie es zum Beispiel ein vierter Platz auf der Deutschen Meisterschaft der Formationen war. Aber darum geht es hier auch nicht. Nur Du und die Zeit und bei jedem Start ein bisschen besser werden. Das reicht.

Ein kleines Verbesserungspotential bleibt: In dem Trisuit sah ich bei weitem nicht so sportlich und sexy aus, wie ich mich gefühlt habe. Der nächste Anzug wird schwarz mit Ärmeln und weisser Brust. Ich bin halt doch ein Standardtänzer.

Stephan Frank, Mainz 1.7.2007

Weblinks:

Mainz Triathlon
Mainzer Gutenbergmarathon
Von “0 auf 42” des SWR
Quaterman Bruchköbl
Datterich Darmstadt
German Open Champioships
Tanzclub Rot-Weiss
Casino Mainz

Formationen im Deutschen
Tanzsport

Lothar Leder
Helmuts Fahrad Seiten