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Nach der Saison ist vor der Saison
Mainzer B-Team füllt die Zeit zwischen den Formationsligen mit Triathlon und tut so etwas für die Kondition. Schließlich ist man in die Zweite Bundesliga aufgestiegen.

Das Aufstiegsturnier in Nürnberg war das tänzerische Wettkampfhighlight der zehnköpfigen Triathlongruppe des Tanz-Club Rot-Weiss Casino Mainz. Sicherlich hat auch die physische Fitness beim Aufstieg in die zweite Bundesliga geholfen, ist doch ein großer Teil der Triathleten auch Mitglied im B-Team der Mainzer Standardformationen

Zum Auftakt der Saison der Rot-Weissen Ausdauersportler diente der Bürgerpark-Triathlon über die Sprintdistanz (550m Schwimmen, 20km Rad fahren, 5km Laufen). Michael Silvanus, Formationsbeauftragter des Tanzsportverbandes Rheinland-Pfalz gab hier sein Wettkampfdebüt mit einer beachtlichen Zeit von unter 1:30 Stunden.

Zwei Wochen später traf man sich in Bruchköbel zum Quarterman (950m Schwimmen, 45km Rad fahren, 11km Laufen), der, wie der Name es andeutet, über ein Viertel der Ironman-Distanz geht. Die Radstrecke hat auch schon einige Höhenmeter zu bieten und kann für Hobbytriathleten als anspruchsvoll gelten. Zum gleichen Zeitpunkt fand in Berlin der Lizenzerhaltslehrgang für Formationswertungsrichter statt, daher war das Team nicht vollständig am Start.

Ein Highlight der Wettkampfserie war der Heinerman in Darmstadt über die olympische Distanz (1500m Schwimmen, 40km Rad fahren 10km Laufen). Freiwasserschwimmen im Woog, eine Radstrecke flach wie Holland, eine recht anspruchsvolle Laufstrecke und als Gegner Chris McCormack, genannt "Macca", zu diesem Zeitpunkt ungeschlagen der weltbeste Ironman. Nur zwei Wochen später musste er sich bei der Europameisterschaft beim Frankfurt Ironman Timo Bracht geschlagen geben, was generell seiner Spitzenklasse keinen Einbruch tut. Er deklassierte das gesamte Verfolgerfeld. Auf der Radstrecke konnte man als Otto Normaltriathlet mal kurz einen Blick auf den vorbei rasenden "Blauen Blitz" erhaschen, und natürlich bei der Siegerehrung.

Den Wochenendbesuch bei einer Formationskameradin, welche im letzten Jahr nach Zürich gezogen war, nutzte ein Teil des Teams zur Teilnahme am dortigen Triathlon am Samstag über die Olympische Distanz. Michael Schottner finishte am Sonntag den Ironman Switzerland. Sein zweiter Start über die Langdistanz 3,8 km Schwimmen, 180 km Rad fahren, 42 km Laufen macht ihn damit sicherlich zum ernsthaftesten Ausdauersportler in unserer exklusiven Tänzergruppe. Danach gingen die Tänzer, welche den TC Lorsch im Einzeltanzen vertreten, beim Triathlon in Lorsch als Staffel an den Start mit dem erklärten Ziel diesen zu gewinnen. Was auch gelang: Platz eins bei den Mixed Staffeln, Platz zwei insgesamt.

Für alle fand der Saisonhöhepunkt in Wiesbaden beim Ironman 70.3 über die halbe Ironmandistanz statt. Fünf Tänzer starteten als Einzelkämpfer an dem wegen seiner "knackigen" Radstrecke mit 1500 Höhenmetern als der "härteste halbe Tag" genannten Wettkampf, drei weitere gingen als Staffel an den Start. Natürlich gingen diesem Wettkampf mehrere Monate intensives Training in den drei Sportarten voraus.

Um es vorweg zu nehmen: Alle erreichten gut gelaunt und gesund das Ziel, es hat wohl jeder seine persönlichen Ziele erreicht. Das Schwimmen über 1,9 km bereitete keinem ernsthafte Probleme, auch wenn man kein Fan von Dieselgeruch und Benzingeschmack ist. Aber der Schiersteiner Hafen ist nun mal kein Badesee. Die Strecke ging streng geradeaus mit einem Wendepunkt und kann sich dadurch schon rein optisch sehr in die Länge ziehen. In sieben Wellen gingen die 2900 Starter ins Wasser und brachten dieses zum Brodeln.

Die Radstrecke über 90 km stellte die Tänzer dann vor eine etwas größere Herausforderung. Da aber jeder die geographische Nähe ausgenutzt hatte und mehrere Trainingsfahrten auf der Wettkampfstrecke absolvierte, wussten alle, wie man diese Strecke für sich persönlich taktisch am besten einteilt, um noch genug Körner für den abschließenden Halbmarathon zu haben.

Zwei extreme Streckenteile waren eine Herausforderung für den Radtachometer, wie es bei der Wettkampfbesprechung angedeutet wurde: Das Stück "Gnadenlos" über 300 Höhenmeter auf 6 km. Da zeigt der Tachometer auch einmal nur 9 km/h an. Was nicht bedeutet, das er defekt ist. Die Abfahrt vom "Col de Platte" nach Wiesbaden. Auch hier liegt kein Defekt vor, wenn der Tachometer mehr als 80 km/h anzeigt. Die Strecke, anerkannt die schwerste aller Ironman 70.3 Strecken, ist aber für jeden, der die Luft hat dies zu würdigen, landschaftlich sehr reizvoll und zum großen Teil im Schatten des Waldes. Ideal für den extrem heißen Tag. Und "Tour de France"-Stimmung gab es am "Hammer", einer Steigung von 10% aus dem Örtchen Oberlibbach heraus. Die Zuschauer standen in vier Reihen hintereinander und brüllten einen den Berg hoch.

Die abschließende Laufstrecke im Wiesbadener Kurpark war auch für späte, langsame Starter noch gespickt mit Fans, die eine tolle Stimmung verbreiteten. Hier hieß es, sich von der Atmosphäre beflügeln lassen und Zähne zusammenbeißen: Die vier Runden durch den schönen und Gott sei Dank schattigen Park können sehr lange werden. Durch den versetzten Start nach Startgruppen zog sich der Zieleinlauf der einzelnen Tänzer sehr auseinander. Verpflegungsstellen alle 2,5 km, Applaus und Anfeuerungen für jeden auf der Strecke helfen dabei einfach immer weiter zu laufen. Jeder der Tänzer kam glücklich durch das große Zieltor an dem bis zum Zielschluss eine Riesenparty im Gange war. Die Zielzeiten der Tanzsportler im einzelnen:

Sebastian Hoffmann 5:56
Michael Schottner 6:16
Stefan Giesbert 6:52
Yvonne Scheller 7:51
Stephan Frank 7:58

Staffel: 6:56
bestehend aus Michael Silvanus, Oliver Giesbert, Sabine Scheller

Die gesamte Veranstaltung war perfekt organisiert, fast genauso viele Helfer wie Starter sorgten für reibungslosen Ablauf und perfekte Verpflegung und Betreuung der Athleten. Das war absolut professionell und spitze.

Gewonnen hat bei den Herren der Profi Sebastian Kienle aus Freiburg in der Zeit von 4:04, bei den Damen die in Österreich wohnende niederländische Profiathletin Yvonne van Vlerken in einer Zeit von 4:42. Hier sorgten die als Amateur startenden Eva Jansen, ebenfalls aus den Niederlanden, die als dritte durch Ziel ging und Nina Kuhn aus Mainz, die als siebte das Rennen beendete für eine Überraschung und ließen so einige Profis hinter sich.

Es ist ein unbeschreibliches Gefühl durch das Ziel zu laufen. Vergleichbar mit der Finalteilnahme einer Deutschen Meisterschaft der Formationen. Der Endorphinschub auf den letzten Metern lässt einen durch das Ziel fliegen und hält noch lange vor. Es ist auch fast unglaublich, wie viel Flüssigkeit man trotz regelmäßigem und ausreichendem Trinken auf der Strecke verliert, gerade an so einem heißen Tag wie in Wiesbaden. Noch 1-2Tage nach dem Wettkampf hat man viel mehr Durst und Hunger als normal. Selbst, wenn man gerade gut gegessen und getrunken hat, möchte man gern die nächste Flasche Wasser öffnen und noch eine kleine Pizza verdrücken. Während eines solchen Wettkampfes verbraucht man knapp 6000 Kalorien und trinkt mindestens 4-6 Liter Flüssigkeit.

In einer Disziplin war unsere Rot-Weiss-Casino Mainz Mixed-Staffel sogar auf dem ersten Platz: T1, der Wechsel vom Wasser auf das Rad, dank einer überragenden Spurtleistung von Michael Silvanus im (zu engen) Neoprenanzug vom Ausstieg aus dem Hafen zur Wechselzone.

Ein paar persönlich Stimmen der Teilnehmer:

Stefan Giesbert: "Die letzte Runde in Wiesbaden war das Beste im gesamten Wettkampf. Mir wurde bewusst, dass mir jetzt nichts mehr passieren kann. So konnte ich jeden Schritt genießen und schon mal anfangen zu jubeln. Die Helfer an den Verpflegungsstationen und in T2 waren so engagiert und haben jeden angefeuert und motiviert. Das war echt toll!"

Stefan Frank: "Das bescheuertste und tollste, was ich jemals gemacht habe. Ein Riesenkompliment an die Helfer. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes jede Minute ausgenutzt."

Michael Silvanus: "Ich bin ja normal gebaut, aber mit einem zu kleinen Neoprenanzug fühle ich mich wie eine Knackwurst auf der Flucht vor dem Kochtopf."

Yvonne Scheller: "Ich habe lange auf diesen Tag hin trainiert und hatte 30 min vorm Start doch Angst und Zweifel vor meiner eigenen Leistungsfähigkeit. Als ich im Wasser war, war die Angst verflogen. Als ich schneller als erwartet und ohne Sturz oder Pannen in T2 ankam wusste ich, dass ich ins Ziel komme. Ich habe die Zeit auf der Laufstrecke und vor allem den Zieleinlauf genossen. Es war so ein tolles Gefühl von Freunden angefeuert, platt aber glücklich und stolz meinen ersten Ironman 70.3 zu finishen."

Sebastian Hoffman: "Ich hatte mir ein straffes Zeitlimit für meinen ersten Ironman 70.3 gesetzt und musste ordentlich Gas geben, um noch unter 6 Stunden anzukommen. Nach meinem persönlich längsten halben Tag wusste ich im Moment des Zieleinlaufs, dass sich die Monate des harten Trainings gelohnt hatten. Die Erlebnisse des ganzen Tags machen einfach süchtig."

Das soll nicht die letzte erfolgreiche Formations- und Triathlon-Saison gewesen sein. Natürlich ist 2010 der Verbleib in der zweiten Bundesliga der Standardformationen erklärtes Ziel. Zwei Tänzer werden den Frankfurt Ironman über die Langdistanz bestreiten, der Rest geht bei der Challenge in Tirol über die halbe Ironmandistanz an den Start. Die Gruppe hat sich mittlerweile auf elf Formationstänzer vergrößert.

Am Wochenende nach dem Ironman 70.3 beginnt für alle wieder die Formationssaison, die 2. Bundesliga ab Januar sowie zwei Shows im September wollen auch vorbereitet werden. Zu mindestens konditionell wird das überhaupt kein Problem sein.

Stephan Frank, Mainz 21.8.2009

PS: Seit meinem letzten Artikel zum Thema Tänzer beim Triathlon im Jahr 2007 bin ich der Antwort auf folgende Frage leider keinen Schritt näher gekommen: In welcher der beiden Randsportarten sammeln sich die größeren Exzentriker in Punkto Körperkult, Technik und Optik?

Weblinks:

Ironman Germany 70.3